FAQ zum neuen Jugendschutzgesetz: So setzt die USK die neuen Regeln um

Games sind längst Teil der Jugendkultur: Laut JIM-Studie (2021) spielen 72 % der befragten Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren regelmäßig digitale Spiele. Dabei nutzen sie Geräte wie Handy, Konsole und PC. Um ein sicheres Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen und vor Gefahren im „digitalen Raum“ zu schützen, wurde das deutsche Jugendschutzgesetz (JuSchG) überarbeitet. Die neuen Regeln sind am 1. Mai 2021 in Kraft getreten und haben direkte Auswirkungen auf die Arbeit der USK.

Welches Ziel verfolgt das neue Jugendschutzgesetz des Bundes?

Ziel des Gesetzgebers ist es, den Schutz von Kindern im „digitalen Raum“ zu verbessern und möglichen Risiken durch Online-Funktionen (sogenannten „Nutzungsrisiken“) wie „Cybergrooming“, „Cybermobbing“ oder den Schutz vor ungewollten Ausgaben besser zu begegnen. Gleichsam wurde auch die Förderung von Orientierung im Umgang mit Medien als Schutzziel im Gesetz verankert.

Wie hat die USK an den neuen Regeln des Jugendschutzgesetzes gearbeitet?

Die Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) sind in Deutschland für die gesetzliche Alterskennzeichnung von digitalen Spielen zuständig. Im Rahmen eines gemeinsamen Verfahrens kann diese Aufgabe auch von einer Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle wie der USK übernommen werden. Um die neuen Bestimmungen des Jugendschutzes in die Praxis zu überführen, hat die USK in Zusammenarbeit mit den federführenden Stellen der Obersten Landesjugendbehörden an der Umsetzung gearbeitet. Die mit der USK vereinbarten Änderungen wurden auf der Jugend- und Familienministerkonferenz im Mai 2022 beschlossen und Ende des Jahres von  allen 16 Bundesländern unterzeichnet.

Wer wurde bei der Entwicklung konkreter Lösungsvorschläge beteiligt?

Um das novellierte Jugendschutzgesetz praxistauglich und vor allem zielgerichtet für Familien umzusetzen, wurden bei der Entwicklung der Vorschläge Akteure des deutschen Jugendmedienschutzes, der Beirat der USK, aber auch Kinder- und Jugendliche selbst sowie pädagogische Fachkräfte und Eltern eingebunden. Die aus der Zusammenarbeit gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Entwicklung von konkreten Lösungsvorschlägen ein. So konnten Anregungen und Rückmeldungen bereits in einem frühen Stadium aufgenommen und in den Prozess eingearbeitet werden.

Um herauszufinden, worauf Eltern beim Umgang mit digitalen Spielen achten und was sie sich darüber hinaus wünschen, führte die USK im Oktober 2021 eine quantitative Umfrage mit 1.043 Eltern durch. Die Befragung hat ergeben, dass die USK-Alterskennzeichen als wichtig und hilfreich wahrgenommen werden. So gaben 94 % der befragten Eltern an, die Alterskennzeichen der USK zu kennen, vorrangig von Spieleverpackungen (89 %), aber auch von Spieleplattformen im Internet (53 %). 89 % der Befragten erachten zusätzliche Informationen zu den Altersfreigaben bei digitalen Spielen als hilfreich. Dabei hat sich eine deutliche Mehrheit für einen Texthinweis (81%) statt einer Darstellung in Bildform (14 %) ausgesprochen. Bei der Frage, wie wichtig Eltern Zusatzinformationen zu Käufen, Chats oder sonstigen potentiellen „Nutzungsrisiken“ sind, hat die Information zu möglichen „Zusatzkosten durch Upgrades“ die größte Relevanz für Eltern (77 %).

Um mehr über eine mögliche Sensibilisierungswirkung von zusätzlichen Hinweisen zu erfahren, hat die USK auch mögliche Reaktionen der Eltern erfragt, die sie ergreifen würden, wenn ein Spiel mit einem Hinweis gekennzeichnet ist. Dabei gab nur 1 % der Eltern an, keine Maßnahmen ergreifen zu wollen. Hingegen haben sich 58 % für Gespräche mit dem Kind über das Spiel entschieden sowie 57 % zur Nutzung von technischen Einstellungs- bzw. Einschränkungsmöglichkeiten. Zur konkreten Ausgestaltung der Zusatzhinweise wurden mittels qualitativer Gruppeninterviews auch Eltern, Kinder- und Jugendliche sowie pädagogische Fachkräfte beteiligt.

Wie werden die Ziele des Jugendschutzgesetzes bei der USK in der Praxis umgesetzt?

Neue Hinweise bei USK-Alterskennzeichen

Die bewährten Alterskennzeichen werden um Hinweise zum Inhalt und zur Nutzung erweitert: Um Eltern bei der Auswahl der digitalen Spiele noch mehr Orientierung zu geben, werden die USK-Alterskennzeichen um zusätzliche Hinweise zum Inhalt und zur Nutzung erweitert. Künftig erkennen Eltern auf einen Blick, welche Gründe zur Alterseinstufung geführt haben (beispielsweise „Gewalt“ oder „Handlungsdruck“) und welche Risiken bei der Mediennutzung im Blick behalten werden sollten (beispielsweise „Chats“ oder „In-Game-Käufe“).

Online-Risiken werden im Prüfverfahren der Altersfreigabe von Games berücksichtigt.

Online-Risiken werden im Prüfverfahren der Altersfreigabe von Games berücksichtigt: Anbieter, die ihr Spiel bei der USK zur Prüfung einreichen, müssen in Zukunft angeben, ob Funktionen wie Kauf- oder Kommunikationsmöglichkeiten im Spiel vorhanden sind und welche technischen Schutzkonzepte sie dafür bereitstellen. Bei der Prüfung der Spiele werden die unabhängigen Prüfgremien abwägen, ob nachhaltige Risiken für Kinder und Jugendliche entstehen. Dabei können etwa die Art der Integration von Käufen im Spiel oder die Ausgestaltung von Chat-Funktionen sowie entsprechende Melde- und Hilfesysteme oder technische Einschränkungsmöglichkeiten eine Rolle spielen. Die enthaltenen Funktionen werden durch einen entsprechenden Hinweis zur Nutzung (Deskriptoren) transparent ausgewiesen. Kommt das Prüfgremium allerdings zu dem Schluss, dass ein Hinweis alleine nicht ausreicht, kann es zu einer höheren Altersfreigabe führen.

Ab wann gelten die neuen Regeln?

Um den Weg für die neue Prüfpraxis zu ebnen, wurden die Leitkriterien zur Altersbewertung durch den USK-Beirat entsprechend angepasst. Die Leitkriterien treten am 1. Januar 2023 in Kraft. Somit startet die USK ab Anfang 2023 damit, nach den neuen Regeln und Kriterien zu prüfen. Welche konkreten Auswirkungen Online-Risiken im Rahmen der Spruchpraxis der USK haben, wird sich erst im Verlauf zeigen.

Wo finden sich die neuen Hinweise?

Die Hinweise werden auf der Rückseite der Spieleverpackungen und der USK-Titeldatenbank auffindbar sein. Darüber hinaus finden sich die Hinweise bereits auf vielen Online-Plattformen, die das IARC-System (International Age Rating Coalition) nutzen. Um Eltern und Erziehungsberechtigte bestmöglich zu informieren, stellt die USK alle wichtigen Informationen zu den Hinweisen auf dieser Info-Seite bereit.

Wo finden Eltern weitere Tipps, um gute „Spielregeln“ zu Hause zu etablieren?

Die USK-Alterskennzeichen geben eine wichtige Orientierung bei der Auswahl von Games. Aber es gibt noch mehr, was Eltern tun können, um sich einzubringen und auf dem Laufenden zu bleiben. Im Familien-Bereich der USK-Webseite finden sich dazu verschiedene Informationsmöglichkeiten:

  • Der gemeinsame Elternratgeber der USK und der Stiftung Digitale Spielekultur gibt Antworten auf Fragen zur Auswahl geeigneter Spieleangebote, zur empfohlenen Nutzungsdauer und zu technischen Maßnahmen, die eine begleitende Mediennutzung unterstützen können.
  • Das USK-Lexikon erklärt die wichtigsten Gaming-Begriffe.
  • Die Hilfe- und Ratgeberseite fasst Linktipps und Hinweise zu den Themen Mediennutzung und Medienerziehung zusammen.

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Informationen zur Umfrage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die von der YouGov Deutschland GmbH durchgeführt wurde. An der Umfrage nahmen 1.043 Eltern im Zeitraum zwischen dem 20.-27. Oktober 2021 teil, in deren Haushalt Kinder leben, die mehrmals in der Woche digitale Spiele auf PC, Konsole oder Smartphone nutzen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Medienkontakt

Irina Rybin

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