Kinder- und Jugendliche spielen heute nicht einfach nur digital. Sie sind Teil von Online-Gemeinschaften, tauschen sich über Spiele aus und bewegen sich innerhalb verschiedener Subkulturen rund ums digitale Spielen. Die Games-Kultur kann sehr vielfältig sein und nicht jeder interessiert sich automatisch für alles. Dieses Kapitel erklärt einige der wichtigsten Begriffe und Formate, die Ihnen rund um das Hobby Games begegnen können.

Online-Communitys und Fandoms
Wie in anderen Bereichen der Popkultur auch, bilden Spieler*innen Online-Gemeinschaften rund um bestimmte Trends, Spiele oder Persönlichkeiten, die sie sehr mögen. Diese Communitys, auch Fandoms genannt, sind für Jugendliche besonders wichtig, da sie hier Freundschaften schließen und ihre Identität entwickeln. Beliebte „Treffpunkte“ dieser Gruppen sind soziale Plattformen wie Discord oder Twitch sowie Webseiten wie Reddit oder die Foren der unterschiedlichen Spieleanbieter.
Tipp
Communitys und Fandoms leben vom Austausch und Engagement ihrer Mitglieder. Für junge Menschen ist die aktive Teilhabe an solchen Gemeinschaften ein wichtiger Teil ihrer persönlichen Entwicklung. Wie sich diese Teilhabe möglichst sicher gestalten lässt, erfahren Sie in hier.
Gaming-Influencer*innen
„Influencer*innen“ (abgeleitet vom Englischen „to influence“: „beeinflussen“) sind Personen, die durch ihre Reichweite in sozialen Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie erreichen viele Menschen, indem sie unterhaltsame oder spannende Inhalte erstellen und teilen. Jugendliche und junge Erwachsene sehen Influencer*innen oft als Vorbilder an. Ihr Einfluss ist ähnlich groß wie der von Musik- oder Filmstars.
Gaming-Influencer*innen veröffentlichen reichweitenstarke Social-Media-Inhalte zu Computerspielen. Sie erstellen zum Beispiel Videos, in denen sie Spiele vorstellen, Tipps und Tricks geben oder ihre eigenen Spielsitzungen live streamen. Damit ziehen sie eine große Fangemeinde an, die sich für neue Spiele und Themen rund um Games interessiert. Influencer*innen verdienen Geld durch Werbung, die in ihre Inhalte eingebaut wird, oder durch finanzielle Unterstützung einzelner Abonnent*innen.
Tipp
Fragen Sie Ihr Kind, warum es bestimmten Influencer*innen folgt und was genau an deren Inhalten und Videos so spannend ist. So bekommen Sie einen besseren Einblick in die Interessen und Vorbilder Ihres Kindes.
Let’s Plays und Livestreams
Bei einem „Let’s Play“-Video (deutsch: „Lasst uns spielen“) können Zuschauende miterleben, wie eine andere Person ein Spiel spielt und kommentiert. Meistens wird das Spielgeschehen auf witzige oder spannende Weise begleitet. Diese Videos werden auf Plattformen wie YouTube hochgeladen. Es gibt aber auch Let’s Plays, die live übertragen werden, zum Beispiel auf der Plattform Twitch.
In einem Let’s Play hört man manchmal nur die Stimme der spielenden Person, während das Spiel im Video zu sehen ist. Oft wird aber auch eine Videoaufnahme der spielenden Person als Bildausschnitt gezeigt. Es geht vor allem darum, die Reaktionen der spielenden Person mitzuerleben. Viele Zuschauende finden das oft wichtiger als das Spiel selbst. Da Gaming-Influencer*innen bei Let’s Plays im Livestream mit ihrer Community chatten können, sind solche Videos besonders beliebt.
Tipp
Behalten Sie nicht nur im Blick, welche Spiele Ihr Kind selbst spielt, sondern auch, welche Spieleinhalte es möglicherweise in Form von Online-Videos ansieht. Die Alterskennzeichen der USK gelten nicht für Videoaufzeichnungen von Spielen, können aber eine hilfreiche Orientierung bieten.
Cosplay
„Cosplay“ (kurz für „Costume Play“) bedeutet, dass Menschen in die Rolle von Charakteren aus Computerspielen und anderen Medien schlüpfen. Sie tragen Kostüme und ahmen das Verhalten der Figuren nach. Ursprünglich kommt Cosplay aus der japanischen Anime- und Manga-Fankultur. Zum Kostüm gehören oft auch Accessoires wie Schmuck, Waffenattrappen oder andere Gegenstände. Es wird auch spezielles Make-up oder eine Perücke verwendet, um dem Aussehen der Figuren noch ähnlicher zu sein.
Cosplay wird meist zum eigenen Spaß und für Wettbewerbe auf Conventions (Messen und Events) gemacht. Nur wenige Cosplayer*innen verdienen Geld, indem sie für professionelle Auftritte gebucht werden.
Tipp
Cosplay ist mehr als nur ein Hobby. Beim Basteln, Designen, Nähen und Schneidern werden viele handwerkliche Fähigkeiten erlernt. Ermutigen Sie Ihren Nachwuchs, sich kreativ auszutoben und neue Fertigkeiten zu entwickeln.
E-Sport
„E-Sport“ (oder „eSports“) steht für sportlichen Wettkampf mit Computerspielen. Jedes Computerspiel kann als E-Sport gespielt werden, wenn dafür feste Regeln von einer E-Sport-Organisation festgelegt und befolgt werden. In der Praxis werden vor allem bestimmte Multiplayer-Spiele bei großen Wettbewerben gespielt.
Wie in anderen Sportarten zählen auch im E-Sport schnelle Reaktionen, Teamgeist, Leistungsbereitschaft und ein faires Miteinander. Profis im E-Sport achten auf körperliche und geistige Fitness sowie eine ausgewogene Ernährung. Es gibt nicht nur den professionellen E-Sport mit gesponserten Teams und Meisterschaften mit Millionenpublikum, sondern auch eine lebhafte Hobby- und Amateurszene, die sich zum Teil in Vereinen organisiert.
Tipp
Durch E-Sport knüpfen junge Menschen neue Kontakte und organisieren sich im Team. Es ist also kein „einsames Spielen am Computer“ und kann die sozialen Fähigkeiten von Jugendlichen stärken.
Games als Chance für die Zukunft
Video- und Computerspiele sind ein Zeitvertreib und eine Pause vom Alltag – genau darin liegt der Reiz des Spielens. Das bedeutet aber nicht, dass sie Zeitverschwendung sind. Neben Unterhaltung können sie insbesondere Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit bieten, selbst aktiv oder kreativ zu werden. Ob Jugendliche nun ein Online-Forum moderieren oder in ihrer Freizeit eigene Spiele entwickeln: Solche Interessen sollten von Eltern genauso unterstützt werden, wie andere soziale Engagements oder kreative Tätigkeiten wie Musizieren, Zeichnen oder Schreiben.
Wer eigene Computerspiele entwickelt, erlernt gestalterische und technische Fähigkeiten, die in vielen Berufen wichtig sind. Programmieren, Grafik- und Interface-Design oder die Arbeit mit KI-Systemen sind nur einige Beispiele. Die aktive Auseinandersetzung mit Games fördert das Verständnis für die Wirkung des Mediums und stärkt so die Medienkompetenz von jungen Menschen. Darüber hinaus können bestimmte Computerspiele helfen, komplexe Themen wie Geschichte, Politik oder Wirtschaft besser zu verstehen.
Tipp
Ihr Kind werkelt an eigenen Computerspielen? Lassen Sie sich die Ergebnisse und den Weg dahin zeigen. Vielleicht entdecken Sie bei Ihrem Kind neue Talente.




