Wichtige Entscheidungen aus der Spruchpraxis: Fortnite

Ein Gastbeitrag der Ständigen Vertreter*innen der OLJB bei der USK.

Fortnite gehört seit Jahren zu den beliebtesten Spielen bei Kindern und Jugendlichen. Im Jahr 2019 wurde das Spiel mit dem populären Battle-Royale-Modus nach einer intensiven Diskussion zwischen der USK 12 und der USK 16 im Appellationsverfahren, der höchsten Entscheidungsinstanz bei der USK, schließlich mit „Freigegeben ab 12 Jahren“ gemäß § 14 JuSchG gekennzeichnet. Das Spiel befand sich nun erneut im USK-Prüfverfahren.

Grund für die Neuprüfung war eine Änderung im Battle-Royale-Modus. In der neuen Version wurde auf die Baufunktion verzichtet, mit der sich die Spieler*innen durch den rasanten Aufbau von Rampen, Brücken und Verteidigungsanlagen einen taktischen Vorteil gegen die Angriffe anderer verschaffen konnten. Passend zum veränderten Spielprinzip wurde diese neue Version dann auch unter dem Titel Fortnite Zero Build Battle Royale bei der USK zur Jugendschutzprüfung eingereicht.

Zweifellos verändert der Wegfall der Baufunktion den Charakter des Online-Shooters und wirkt sich auf das Gameplay des Spiels aus. Aber ändert sich dadurch auch die Jugendschutzrelevanz, so dass möglicherweise eine höhere Alterseinstufung notwendig wird? – Nein, so die abschließende Antwort des USK-Appellationsausschusses nach sorgfältiger Abwägung.

Dabei wertete der Appellationsausschuss (wie schon beim klassischen Fortnite Battle Royale) insbesondere die klare, von Taktik geprägte, Spielvereinbarung und den Wettkampfcharakter als distanzbildende Elemente. Die comicartige Grafik ohne realistische Treffervisualisierungen sowie die humorvolle und cartoonartige Umsetzung des Spielprinzips geben älteren Kindern ab 12 Jahren ausreichend Anhaltspunkte für die Fiktionalität des Spiels. Kinder ab 12 Jahren verfügen in der Regel über die notwendige Medienerfahrung und Rahmungskompetenz, um sich von der vordergründigen Spielhandlung des Shooters distanzieren zu können. Eine desensibilisierende Wirkung in Bezug auf den Umgang mit Schusswaffen oder ähnlich beeinträchtigende Transfers in die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen hat der Ausschuss für die Altersgruppen der ab 12 Jahren nicht angenommen, für jüngere Kinder jedoch nicht ausschließen können.

Neben der Wirkung durch die Spielinhalte befasste sich der Appellationsausschuss auch mit den Risiken für die persönliche Integrität von Kindern und Jugendlichen, die im Zusammenhang mit dem Spiel Fortnite Zero Build Battle Royale auftreten könnten. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die hier die Kauffunktionen sowie Mechanismen zur Förderung eines exzessiven Mediennutzungsverhaltens.

Die Vorsorgemaßnahmen des Anbieters Epic Games, die es Eltern ermöglichen In-Game-Käufe zu deaktivieren und die Spielzeit ihrer Kinder beschränken zu können, überzeugten den Prüfausschuss. Entlastend für die In-Game-Käufe wurde zudem gewertet, dass die verfügbaren virtuellen Güter eine rein kosmetische Funktion haben und keine Spielvorteile damit verbunden sind.

Dennoch übe die Präsentation der virtuellen Güter im Spiel einen Reiz aus, dem sich insbesondere jüngere Kinder, die noch nicht über die entsprechende Lebenserfahrung und Selbststeuerungsfähigkeit verfügen, nur schwer entziehen können – zumal solche Items in Spielen auch die Funktion von Statussymbolen haben. Entsprechend könnte das Monetarisierungsmodell des Spiels die persönliche Integrität von Kindern unter 12 Jahren durch einen Eingriff in ihre innere und kommerzielle Autonomie sowie ihre Entscheidungsfreiheit nachhaltig stören.

Hinsichtlich der Gefahren exzessiver Mediennutzung vertrat der Appellationsausschuss die Auffassung, dass das Spiel Fortnite Zero Build Battle Royale Mechanismen enthalte, die insbesondere jüngere Kinder zu exzessivem Spielen verleiten könnten, wie z. B. die „Daily Quests“, die nur innerhalb einer bestimmten Zeit abgeschlossen werden können. Der Timer bei den „Daily Quests“ erzeuge einen psychischen Druck weiter zu spielen, um die damit verbundenen Belohnungen zu erhalten. Insbesondere jüngere Kinder seien noch nicht in der Lage, diesen Mechanismus zu durchschauen und sich ausreichend davon zu distanzieren, so dass bei Kindern unter 12 Jahren eine nachhaltige Beeinträchtigung ihrer persönlichen Integrität durch einen Eingriff in die innere Autonomie nicht ausgeschlossen werden konnte.

Aus diesen Gründen wertete der Appellationsausschuss auch die erhöhten Kaufanreize und den Druck zum Vielspielen als mitausschlaggebend für die Freigabe ab 12 Jahren für das Spiel Fortnite Zero Build Battle Royale.